Writing Is The New Coding

writing-is-the-new-coding

Bei der Präsentation seines aktuellen „Design In Tech Report“ hat John Maeda darauf hingewiesen, dass eine Menge von Designern sich nicht dessen bewusst sind, wie wichtig Worte sind. – Er bezieht sich in seinem Report dabei auf den Beitrag von Susan Stuart – Why UX Design is a Lot Like Writing (Not Just Art-Making).

Fast Company bringt es in seinem CO.Design Blog mit der Headline auf den Punkt:

Forget Coding: Writing Is Design’s “Unicorn Skill”

Eine wunderbare Inspiration für die „designerische“ Kraft des Schreibens ist und bleibt für immer Italo Calvinos – Die unsichtbaren Städte. – Hätte mehr als nur einen Red Dot Award verdient.

// Tekke – I wrote you (CC by 2.0)

DesignX – Chance & Krise des Design

chance und krise des design

Die Bereiche die wir in unserer Umwelt gestalten möchten werden durch die Verquickung von sozialen und technischen Faktoren immer komplexer. – Aber wie reagiert hierauf eine Disziplin, deren Anspruch es schon immer war, genau diese Umwelt aktiv zu gestalten?

Mit ihrem Paper „DesignX: Design and complex sociotechnical systems“ haben der UX/Usability Guru Donald Norman und Piet Stappers 2016 einen Diskurs über die Herausforderungen und potenzielle Lösungsansätze für komplexe soziotechnischer Probleme (DesignX Probleme) eröffnet. Die Kernherausforderung sehen sie dabei nicht auf der Ideenebene, sondern der Implementierung. Das passt schon einmal gut mit einer Erkenntnis zusammen, die Forrester vor einiger Zeit verkündet hat: „Most Ideas Don’t Improve Results; Knowing Which Ones Do Faster, Is Essential“.

Die Herausforderung bei DesignX Problemen, die in der Tradition der rittelschen „wicked problems“ stehen, ist die Identifikation der kritischen Variablen. Lösungstechniken wie System-Thinking berücksichtigen jedoch nicht die mensch-zentrierte Perspektive , nutzen nicht die Stärke von Feldbeobachtungen und erforschen nicht die Begründung menschlicher Einflussfaktoren.

Damit das Design seinen Lösungsbeitrag leisten kann, gilt es jedoch vier Einwände zu berücksichtigen:

  1. Echte Kollaborativität mit System Thinkern und Anderen muss möglich sein. Das bedeutet deren Sprache zu verstehen und sich selber verständlich zu machen. Nur so kann Design als Unterstützer und Mitarbeiter wirken.
  2. Aktuell ist das Design noch nicht für komplexe DesignX Probleme bereit. Hier gilt es Erfahrungen aufzubauen und das Methodenset zu erweitern.
  3. Der Faktor Mensch muss immer konsequent berücksichtigt werden.
  4. Es darf nicht nur ein Bild des Endresultats geliefert werden, sondern dessen Implementierung bis zum Ende begleitet werden.

Aus der Erkenntnis heraus, dass durch den Menschen konstruierte Dinge durch dessen menschliche Fähigkeiten limitiert sind, sehen sie Modularität als Antwort und betonen die Notwendigkeit das Big Picture im Bild zu behalten. Letzteres eine echte Herausforderung in agilen Vorgehen, bei denen das Big Picture häufig im Backlog verschwindet.

Letztendlich fassen Donald Norman und Pieter Stappers ihren Ansatz wie folgt zusammen:

„Design for the real world means designing to allow for compromise—for resolution through small, incremental steps. It requires co-design, the willingness to tolerate compromises, and a modularity of design that allows for these small steps to be implemented without compromising the whole. “ (Norman/Stappers)

In Summe ein spannender Betrag, der zum einen zeigt wie Design eine wichtige Rolle bei der Lösung komplexer Probleme spielen kann, zum anderen aber auch wie das Design aktuell herausgefordert ist, wenn es diese Rolle spielen möchte. Kommentatoren weisen Norman und Stappers auf die enorme Kluft hin, die zwischen den Anforderungen an das Design und der realen Ausbildung herrschen.

// m.robersonart – Complex thoughts (CC BY 2.0)

Trends 2017? – Neu Denken!

trends-neu-denken

Pünktlich zum Jahresstart hat Matthias Horx vom Zukunftsinstitut vier Kerngedanken formuliert, welche die Zukunft der Zukunftsforschung selber betreffen.

  1. Wir befinden uns in einem Paradigmen-Bruch und da kann es schon einmal recht turbulent zugehen.
  2. Uns kommen die Dinge plötzlich schrill und fremd vor, da sie nicht mehr unserer inneren Erwartung entsprechen.
  3. Wir schauen eher auf Störungen in unserem Umfeld, als globale Verbesserungen anzuerkennen – von denen wir nicht direkt profitieren.
  4. Wir sollten weniger Zukunftsmythen und die Technologie als Heilsversprechen verkünden.

Und als praktischen Ratschlag für das neue Jahr: Sich nicht so sehr im Rahmen der medialen Angst und Erregungskultur informieren. Und dabei Dinge auf konstruktive Weise neu denken!

// Un autre monde

Simply Complicated

cognitive-biases

Unser Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen ist permanent systematisch fehlerhaften Neigungen ausgesetzt (kognitive Verzerrungen / cognitive biases). – Als Designer besteht in zweierlei Hinsicht die Verantwortung sich mit diesen auseinander zu setzen.

Zum einen ist man als Entwerfender dem Problem ausgesetzt, dass die eigenen Entwürfe durch verzerrte Urteile beinflusst sind – zum anderen sind die Menschen für die man Produkte und Services permanent durch kognitive Verzerrungen beeinflusst.

Durch eine regelmäßige Reflektion der kognitiven Verzerrungen kann bewusster auf diese eingegangen werden. Zu beachten ist vor allem auch der „bias blind spot“ Bias,  der die Tendenz beschreibt kognitive Verzerrungen eher bei Anderen zu sehen, als bei sich selbst.

In Summe sind eine Reihe von kognitiven Verzerrungen beschrieben, sie lassen sich aber grundsätzlich in vier Hauptbereichen zusammenfassen:

  1. Informationsüberladung filtern – mit der Gefahr auch nützliche und wichtige Dinge wegzuschneiden
  2. Konstruktion von Bedeutung – mit der Gefahr Illusion herbei zu zaubern
  3. Notwendigkeit schnell zu handeln – mit der Gefahr unfair und kontraproduktiv zu handeln
  4. Das Wichtigste und Nützlichste erinnern – mit der Gefahr Fehler weiter zu verstärken

Eine weitere lesenswerte Ausführung liefert Buster Benson. Eine schöne Darstellung bietet die „Cognitive Bias Codex“ Infovisualisierung von John Manoogian III. Auch als Poster zu bestellen.

cognitive-biases-codex

//Greta Lovisa Gustafsson – RedAlCe (CC BY 2.0)

Menschzentrierte künstliche Intelligenz

Menschzentrierte künstliche Intelligenz

„Wir müssen künstliche Intelligenz so gestalten, dass wir Menschen im Mittelpunkt stehen. Es gibt von Churchill das Zitat „Wir formen unsere Gebäude, danach formen sie uns“; die gleiche Gefahr sehe ich in der Infosphäre. Der Mensch muss als Zweck, nie als Mittel oder Ressource behandelt werden, um Kant zu zitieren.“ – (Luciano Floridi)

// fusion-of-horizons – Orșova – biserica catolică „Neprihănita Zămislire“ (CC BY 2.0)

 

Blinded by Design

ästhetisches gebrauchsversprechen

Die heutige Erlebnisorientierung des Designs (Experience Design) setzt per Definition die wahrgenommene Qualität als wichtigste Zielgröße fest. Für Designlösungen am Konsumentenmarkt mag dieses häufig auch in Deckung mit den Geschäftszielen sein. Wenn es aber um Lösungen für den internen Unternehmenseinsatz geht, besteht die Gefahr „fashionabler“ Ergebnisse, die in ihrem Gebrauchswert nicht das einhalten, was sie versprechen.

User Experience Designer müssen daher gerade im Enterprise-Bereich so manche Erfolgsstrategien des Consumer-Bereich kritisch reflektieren, um nicht als „Fashionistas“ ihren Wertbeitrag zu einem guten Projektergebnis zu mindern.

Der Design Theoretiker Fritz Haug hat 1971 in seinem Buch „Kritik der Warenästhetik“ den Begriff des „ästhetischen Gebrauchswertversprechen“ geprägt. Ebenfalls hat Haug beschrieben, wie der Mensch durch Anlegen erworbener Produkte sich selbst eine „ästhetische Anziehungskraft“ vorgaukle, und selber ein Opfer seiner eigenen Verpackung werden kann.

Die Eigenreflektion des Designers und seines „Gebrauchswertversprechens“ könnte ein guter Ansatzpunkt sein, um nicht nur im Consumer-Bereich strategisch relevant zu agieren.

// Jay – Flowers (CC BY 2.0)