Simply Complicated

cognitive-biases

Unser Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen ist permanent systematisch fehlerhaften Neigungen ausgesetzt (kognitive Verzerrungen / cognitive biases). – Als Designer besteht in zweierlei Hinsicht die Verantwortung sich mit diesen auseinander zu setzen.

Zum einen ist man als Entwerfender dem Problem ausgesetzt, dass die eigenen Entwürfe durch verzerrte Urteile beinflusst sind – zum anderen sind die Menschen für die man Produkte und Services permanent durch kognitive Verzerrungen beeinflusst.

Durch eine regelmäßige Reflektion der kognitiven Verzerrungen kann bewusster auf diese eingegangen werden. Zu beachten ist vor allem auch der „bias blind spot“ Bias,  der die Tendenz beschreibt kognitive Verzerrungen eher bei Anderen zu sehen, als bei sich selbst.

In Summe sind eine Reihe von kognitiven Verzerrungen beschrieben, sie lassen sich aber grundsätzlich in vier Hauptbereichen zusammenfassen:

  1. Informationsüberladung filtern – mit der Gefahr auch nützliche und wichtige Dinge wegzuschneiden
  2. Konstruktion von Bedeutung – mit der Gefahr Illusion herbei zu zaubern
  3. Notwendigkeit schnell zu handeln – mit der Gefahr unfair und kontraproduktiv zu handeln
  4. Das Wichtigste und Nützlichste erinnern – mit der Gefahr Fehler weiter zu verstärken

Eine weitere lesenswerte Ausführung liefert Buster Benson. Eine schöne Darstellung bietet die „Cognitive Bias Codex“ Infovisualisierung von John Manoogian III. Auch als Poster zu bestellen.

cognitive-biases-codex

//Greta Lovisa Gustafsson – RedAlCe (CC BY 2.0)

Menschzentrierte künstliche Intelligenz

Menschzentrierte künstliche Intelligenz

„Wir müssen künstliche Intelligenz so gestalten, dass wir Menschen im Mittelpunkt stehen. Es gibt von Churchill das Zitat „Wir formen unsere Gebäude, danach formen sie uns“; die gleiche Gefahr sehe ich in der Infosphäre. Der Mensch muss als Zweck, nie als Mittel oder Ressource behandelt werden, um Kant zu zitieren.“ – (Luciano Floridi)

// fusion-of-horizons – Orșova – biserica catolică „Neprihănita Zămislire“ (CC BY 2.0)

 

Blinded by Design

ästhetisches gebrauchsversprechen

Die heutige Erlebnisorientierung des Designs (Experience Design) setzt per Definition die wahrgenommene Qualität als wichtigste Zielgröße fest. Für Designlösungen am Konsumentenmarkt mag dieses häufig auch in Deckung mit den Geschäftszielen sein. Wenn es aber um Lösungen für den internen Unternehmenseinsatz geht, besteht die Gefahr „fashionabler“ Ergebnisse, die in ihrem Gebrauchswert nicht das einhalten, was sie versprechen.

User Experience Designer müssen daher gerade im Enterprise-Bereich so manche Erfolgsstrategien des Consumer-Bereich kritisch reflektieren, um nicht als „Fashionistas“ ihren Wertbeitrag zu einem guten Projektergebnis zu mindern.

Der Design Theoretiker Fritz Haug hat 1971 in seinem Buch „Kritik der Warenästhetik“ den Begriff des „ästhetischen Gebrauchswertversprechen“ geprägt. Ebenfalls hat Haug beschrieben, wie der Mensch durch Anlegen erworbener Produkte sich selbst eine „ästhetische Anziehungskraft“ vorgaukle, und selber ein Opfer seiner eigenen Verpackung werden kann.

Die Eigenreflektion des Designers und seines „Gebrauchswertversprechens“ könnte ein guter Ansatzpunkt sein, um nicht nur im Consumer-Bereich strategisch relevant zu agieren.

// Jay – Flowers (CC BY 2.0)

Die (Customer) Life Journey als Nagelbrett

customer journey als nagelbrett

Wenn jede Marke und jeder Service immer um die maximale Aufmerksamkeit und Bindung buhlen, kann sich der Mensch schnell wie auf einem Nagelbrett gebettet fühlen. Ein Zeitalter der „Disruptive Technology“ könnte uns permanent mit Benachrichtungen und Updates nerven.

Hier als Marke oder Service die richtige Sensibilität zu entwickeln, könnte dann umso mehr ein wichtiger Erfolgsfaktor sein.

Genau greift der Ansatz einer Calm Technology an. Vier Basisprinzipien hierbei sind:

  • Technology should require the smallest amount of our attention
  • Technology should inform and encalm
  • Technology should make use of the periphery
  • Amplify the best of technology and the best of humanity

Die Natur und das klassische Produktdesign haben hierzu von der Bananenschale bis zum Teekessel eine Menge anschaulicher Beispiele zu liefern.

// Austin Kirk – Bed of Nails (CC BY 2.0)

Digitale Markenführung im Mittelstand

hauser lacour mittelstandbroschüre digitale markenführung

Für die Frankfurter Designagentur hauser lacour habe ich 2015 gemeinsam mit Prof. Laurent Lacour, Prof. Dr. phil. Rainer Zimmermann und Sylvia König eine Branchenstudie zu dem Thema verfasst:

Markenführung im digitalen Zeitalter als Wettbewerbsfaktor für mittelständische Industriegüterunternehmen

Zentrale Fragestellung war, wie mittelständische Unternehmen die Möglichkeiten digitaler Markenführung nutzen können, um sich im internationalen Wettbewerb von ihrem kompetitiven Umfeld abzugrenzen und erfolgreiche Kommunikation mit ihren Nutzern aufzubauen.

Die Studie kann über hauser lacour angefragt werden.

Schwarm********

Schwarmdummheit

Unter den Begriff Schwarmintelligenz können begeisternde Phänomene gepackt werden, wie z.B. der Aufbau und die Entwicklung von Wikipedia. – Und natürlich würde jede Organisation in der Menschen zusammenkommen eine solche Schwarmintelligenz entfachen und nutzbar machen. – Das dieses aber nicht so einfach geht – und das Streben nach Schwarmintelligenz fatalerweise auch schnell in das Gegenteil kippen kann, hat Gunter Dueck letztes Jahr mit seinem Buch „Schwarmdumm:  So blöd sind wir nur gemeinsam“ auf den Punkt gebracht.

Einige Kerngedanken seines Buches hat er auf der re:publica in einem interessanten 30min Vortrag dargelegt.

Ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung bringt es für Zeitgenossen ohne Zeit noch schneller auf den Punkt. – Obwohl. Keine Zeit? – Dann ist der Vortrag von der re:publica umso wärmer zu empfehlen.

Schwarmdummheit sollte aber letzendlich nicht als zynische Bewertung des Alltags verstanden werden, sondern einfach für die Grenzen „eines Schwarms“ sensibilisieren. Denn Herausforderungen die kollektive intelligente Anstrengungen benötigen gibt es in Wirtschaft, Gesellschaft und anderen Lebensbereichen genug.

// Visual: Stinging Eyes – Swarm (CC BY-SA 2.0)