Digital Design Manifest

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Im Rahmen des Bitkom-Arbeitskreises „Digital Design“ wurde ein „Digital Design Manifest“ erarbeitet, welches klare Forderungen Richtung Gesellschaft und Politik stellt, und zum Unterzeichnen online auf Digital-Design-Manifest.de bereitgestellt ist.

Als Mitautor möchte an dieser Stelle einen Auszug zitieren, der sich damit befasst, was Digital Design ist, und was gutes Digital Design bedeutet.

 

Was ist Digital Design?

 

Digital Designer gestalten
im Großen und Kleinen.

Gestaltung im Großen bedeutet insbesondere das Entwerfen neuer digitaler Geschäftsmodelle, -prozesse und -strategien, Markenerlebnisse, Ökosysteme, Produkte, Services und auch die dadurch beeinflusste gesellschaftliche Entwicklung. Gestaltung im Kleinen bedeutet das Erdenken kleiner digitaler Dinge im Alltag. Das Entwerfen oder Optimieren der Struktur zur Führung eines Haushaltsbuchs in einer Tabellenkalkulation ist genauso Digital Design, wie das Entwerfen des nächsten disruptiven sozialen Netzwerks.

 

Digital Designer gestalten
Sichtbares und Verborgenes.

Für den Nutzer sichtbar oder spürbar ist in erster Linie die Interaktion mit digitalen Systemen, Prozessen und Endgeräten. Verborgen bleiben dabei die technische Architektur, Datenstruktur, Algorithmen und Verbindungen zu anderen Systemen. Ein einfacher und verständlicher Verkaufsprozess einer Kinokarte über das World Wide Web ist genauso Teil von Digital Design wie die Definition der für den Verkaufsprozess notwendigen Daten und verbundenen technischen Ökosysteme.

 

Digital Designer gestalten
Materielles und Immaterielles.

Auch wenn Digitalisierung einen immateriellen Gegenstand – also Software und Daten – impliziert, muss Digital Design auch das Materielle in Betracht ziehen, da Digitalisierung stets Bezug zu einem materiellen Gegenstand hat.Immaterielles Digital Design ist eine App für Onlinebanking auf dem Smartphone, die Gestaltung einer Sprachinteraktion zur Buchung eines Hotels mit einem digitalen Assistenten oder auch Anwendungen der virtuellen Realität.

Materielles Digital Design betrifft das Internet-of-Things, bspw. ein intelligentes Haus, das mit Hilfe von Digitalisierung Sonnenrollos, die Heizung und die Solaranlage mit Batteriespeicher so koordiniert, dass möglichst wenig fossile Energie verbraucht wird. Schlussendlich können Materielles und Immaterielles auch zu hybriden Technologien verschmelzen und in sogenannten Augmented- und Mixed-Reality Systemen münden.

 

Digital Designer gestalten
Ziel, Nutzen und Mittel
im Zusammenspiel.

Ziele bezeichnen das angestrebte Ergebnis von Digitalisierung. Nutzen benennt den Mehrwert der Mittel und Mittel bezeichnen digitale Produkte, Systeme und Dienstleistungen zur Erreichung der formulierten Ziele. Aus einer innovativen Perspektive bedingen sich Ziele, Nutzen und Mittel in der Digitalisierung, da mit neuen technischen Möglichkeiten neue Ziele erreicht und neuer Nutzen geboten werden kann. Neue Technologien (wie künstliche Intelligenz, Internet-of-Things oder Blockchain) bieten neue Möglichkeiten, woraus sich bisher unerreichbare Ziele und neue Nutzenpotenziale ergeben können.

 

Digital Designer gestalten
den Gestaltungsprozess.

Digitale Produkte, Systeme und Dienstleistungen haben oft eine hohe Komplexität und einen innovation Charakter. Dies bedingt, dass bei ihrer Entstehung und Entwicklung viele Informationen gewonnen und Entscheidungen über ihre Gestaltung getroffen werden müssen. Dieser Gestaltungsprozess ist nicht trivial und muss daher fortlaufend mit methodischer Kompetenz, Sorgfalt und im Besonderen auch mit den technischen Möglichkeiten der Digitalisierung geformt werden.

Was bedeutet gutes Digital Design?

 

Gutes Digital Design ist
nützlich und gebrauchbar.

Digitale Technologien gehören vermutlich zu den mächtigsten Technologien, die die Menschheit bisher erfunden hat. Gutes Digital Design setzt diese ein, um Nutzen und Mehrwerte zu stiften.

Gleichzeitig sind digitale Technologien vermutlich aber auch die komplexesten Technologien, die bisher erfunden wurden. Diese Komplexität darf nicht zum Problem der Nutzer werden. Gutes Digital Design ist daher so gestaltet, dass es für den Nutzer gut gebrauchbar ist.

 

Gutes Digital Design ist
elegant und ästhetisch.

Genau wie ein gut gestaltetes (analoges) Produkt oder Gebäude, eine eigene Eleganz und Ästhetik hat, verfügt auch gutes Digital Design über Eleganz. Diese Eleganz bezieht sich auf Erwartungen der Benutzer an sichtbare Elemente, wie ästhetische Benutzeroberflächen oder eine elegante Gestalt von Endgeräten. Ebenso steckt Eleganz in unsichtbaren Elemente. Der innere Aufbau einer digitalen Lösung, Algorithmen, Datenstrukturen und Softwarearchitekturen, können ihre eigene Eleganz entwickeln, bspw. durch Einfachheit, effiziente Verarbeitung, Wiederverwendbarkeit, gute Wartbarkeit oder intelligente Verwendung von technischen Möglichkeiten der Digitalisierung, und damit selbst Nutzen für die Entwicklung digitaler Produkte, Systeme oder Services stiften.

 

Gutes Digital Design ist
evolutionär.

Keine Lösung ist von Anfang an perfekt, sondern entwickelt sich weiter. Genauso können äußere Umstände eine Veränderung erfordern. Gutes Digital Design ist so gestaltet, dass es langlebig ist und Veränderungen sowie Weiterentwicklungen möglichst einfach sind oder nicht unnötig behindert werden.

 

Gutes Digital Design ist
explorativ.

Zu glauben, immer im Voraus zu wissen, welche Lösungsidee funktioniert, wäre naiv. Dies gilt besonders für das innovative Feld der Digitalisierung. Gutes Digital Design ist explorativ, es ermöglicht Nutzern verschiedene Möglichkeiten zur Erreichung seines Ziels. Aus dem Verhalten der Nutzer zieht es Schlüsse, um den besten Weg zu erkennen und um diesen weiterzuentwickeln.

 

Gutes Digital Design
nimmt den ganzen Menschen in den Fokus.

Nutzerzentrierung ist ein wichtiges Prinzip in der Gestaltung, ist aber zu kurz gedacht, da der Nutzer auch Mensch in einer Umwelt ist. Die erwarteten Umwälzungen durch Digitalisierung machen es daher erforderlich, den Blick auf den ganzen Menschen und seine Umwelt zu lenken. Zum Beispiel fesseln schon heute volldigitalisierte Arbeitsplätze die Mitarbeiter an ihre Schreibtische und führen bei vielen Büroangestellten zu Bewegungsmangel. Gutes Digital Design kann digitale Arbeitsplätze so gestalten, dass Bewegungselemente ein integraler Bestandteil der Arbeit werden und so die Gesundheit der Mitarbeiter fördern.

 

Gutes Digital Design
antizipiert die Auswirkungen seiner Ergebnisse.

Digitalisierung findet nicht im luftleeren Raum statt, sie wirkt sich auf alle Menschen und auf die Gesellschaft aus. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass nicht alle Auswirkungen der Digitalisierung wirklich erstrebenswert sind und sogar zu unerwünschten Nebeneffekten führen. Gutes Digital Design antizipiert daher die Auswirkungen seiner Ergebnisse und wägt fundiert ab, ob die Vorteile einer Lösung nicht durch die entstehenden Nachteile aufgehoben werden.

 

Gutes Digital Design
achtet den Datenschutz und die Datensicherheit.

Welche Daten gespeichert und wie sie verarbeitet werden sollen, ist eine Gestaltungsfrage. Daher beginnt Datenschutz und Datensicherheit im Digital Design. Gutes Digital Design berücksichtigt von Anfang an geltende Datenschutzgesetze und ist sparsam mit Daten, d.h. es verwendet nur die Daten, die für den intendierten Zweck erforderlich sind. Kritische Daten werden in gutem Digital Design entsprechend ihrer Bedeutung durch den Einsatz aktueller und risikogerechter Technologien besonders geschützt.

 

Gutes Digital Design
ist nachhaltig und schafft Nachhaltigkeit.

IT und Internet verbrauchen jeden Tag viel Energie. Die Herstellung von Endgeräten wie Smartphones oder Tablets verbraucht ebenfalls viele Ressourcen. Durch intelligente Gestaltung kann Energie und können wertvolle Ressourcen eingespart werden. Umgekehrt kann durch intelligente digitale Lösung Nachhaltigkeit geschaffen werden. Beispielsweise können digitale Kommunikationsmittel Reiseaufwände reduzieren und so Energie sparen. Ebenso sparen intelligente digitale Steuerungen schon heute Energie in vielen Industriebereichen.

Gutes Digital Design muss einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten und bevorzugt daher Lösungen, deren Energie- und Ressourcenverbrauch im Verhältnis zum Nutzen minimal ist und deren Qualität sich durch Langlebigkeit auszeichnet. Nachhaltigkeit schließt in der Digitalisierung die Vorwegnahme der Entsorgung mit ein. Daher plant gutes Digital Design schon vor der Realisierung, was mit Daten oder Endgeräten passiert, wenn eine Lösung außer Betrieb geht.

 

Gutes Digital Design
würdigt Analoges und Digitales in gleicher Weise.

Analog und Digital sind kein Widerspruch, sie beschreiben Pole eines Spektrums. Nur weil etwas vormals Analoges nun digital ist (bspw. Papierbuch und E-Book), muss es nicht zwangsläufig besser sein. Gutes Digital Design muss das Digitale nicht maximieren. Das Digitale soll nur dort das Analoge ersetzen, wo es zweckmäßig und zielführend ist. Ist ein analoges Element dem Digitalen ebenbürtig oder sogar überlegen, kann das Analoge vorgezogen werden. Nur wenn Analoges und Digitales in gleicher Weise gewürdigt werden, können die Potenziale hybrider Lösungen genutzt werden, um echte Innovation zu erzielen.

 

Gutes Digital Design
nutzt Digitales, wo es erforderlich ist.

Digitalisierung ist ohne Zweifel ein Motor des Fortschritts. Aber gerade deshalb darf es kein Selbstzweck werden, denn dann verliert es an Kraft und Glaubwürdigkeit. Gutes Digital Design setzt das Digitale bewusst ein und nutzt es dort, wo es erforderlich und nutzenstiftend ist.

By David Gilbert

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