Schlagwort-Archiv: Experience Design

Blinded by Design

ästhetisches gebrauchsversprechen

Die heutige Erlebnisorientierung des Designs (Experience Design) setzt per Definition die wahrgenommene Qualität als wichtigste Zielgröße fest. Für Designlösungen am Konsumentenmarkt mag dieses häufig auch in Deckung mit den Geschäftszielen sein. Wenn es aber um Lösungen für den internen Unternehmenseinsatz geht, besteht die Gefahr „fashionabler“ Ergebnisse, die in ihrem Gebrauchswert nicht das einhalten, was sie versprechen.

User Experience Designer müssen daher gerade im Enterprise-Bereich so manche Erfolgsstrategien des Consumer-Bereich kritisch reflektieren, um nicht als „Fashionistas“ ihren Wertbeitrag zu einem guten Projektergebnis zu mindern.

Der Design Theoretiker Fritz Haug hat 1971 in seinem Buch „Kritik der Warenästhetik“ den Begriff des „ästhetischen Gebrauchswertversprechen“ geprägt. Ebenfalls hat Haug beschrieben, wie der Mensch durch Anlegen erworbener Produkte sich selbst eine „ästhetische Anziehungskraft“ vorgaukle, und selber ein Opfer seiner eigenen Verpackung werden kann.

Die Eigenreflektion des Designers und seines „Gebrauchswertversprechens“ könnte ein guter Ansatzpunkt sein, um nicht nur im Consumer-Bereich strategisch relevant zu agieren.

// Jay – Flowers (CC BY 2.0)

Reframing UX Design

Auch 2012 wird immer noch intensiv darüber diskutiert, was das Wesen und die Aufgaben des User Experience Design sind. – In einem aktuellen Beitrag „Reframing UX Design“ von Peter Merholz (Adaptive Path) fordert dieser die strategische Rolle des UX Design wieder mehr in den Fokus zu stellen.

Hierbei verweist er letztendlich auf Donald Norman der schon 1995 als Mitarbeiter von Apple sagte:

We describe the role of the “User Experience Architect’s Office”, which works across the divisions, helping to harmonize the human interface and industrial design process across the divisions of Apple and ATG.

An dieser Stelle möchte ich jedoch auch noch auf ein Experience Design Chart von Clement Monk verweisen, dass 2000 in einem Grundlagenartikel der AIGA zum Thema Experience Design erschienen ist.

experience-design-aiga-chart-clement-monk

Aus meiner Sicht haben dieses Chart und der dazugehörige Artikel den wesentlichen Punkt von User Experience bereits so gut auf den Punkt gebracht, dass viele Diskussionen der vergangenen Jahre überflüssig gewesen wären. Aber solange verschiedene Fachdisziplinen noch immer versuchen das Thema UX dem Bereich Design zu entzerren und für sich zu vereinnahmen, wird es auch weiterhin noch viele unspannende UX Definitionsdiskussionen geben. – Und werden Reframing-Beiträge notwenig sein