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DesignX – Chance & Krise des Design

chance und krise des design

Die Bereiche die wir in unserer Umwelt gestalten möchten werden durch die Verquickung von sozialen und technischen Faktoren immer komplexer. – Aber wie reagiert hierauf eine Disziplin, deren Anspruch es schon immer war, genau diese Umwelt aktiv zu gestalten?

Mit ihrem Paper „DesignX: Design and complex sociotechnical systems“ haben der UX/Usability Guru Donald Norman und Piet Stappers 2016 einen Diskurs über die Herausforderungen und potenzielle Lösungsansätze für komplexe soziotechnischer Probleme (DesignX Probleme) eröffnet. Die Kernherausforderung sehen sie dabei nicht auf der Ideenebene, sondern der Implementierung. Das passt schon einmal gut mit einer Erkenntnis zusammen, die Forrester vor einiger Zeit verkündet hat: „Most Ideas Don’t Improve Results; Knowing Which Ones Do Faster, Is Essential“.

Die Herausforderung bei DesignX Problemen, die in der Tradition der rittelschen „wicked problems“ stehen, ist die Identifikation der kritischen Variablen. Lösungstechniken wie System-Thinking berücksichtigen jedoch nicht die mensch-zentrierte Perspektive , nutzen nicht die Stärke von Feldbeobachtungen und erforschen nicht die Begründung menschlicher Einflussfaktoren.

Damit das Design seinen Lösungsbeitrag leisten kann, gilt es jedoch vier Einwände zu berücksichtigen:

  1. Echte Kollaborativität mit System Thinkern und Anderen muss möglich sein. Das bedeutet deren Sprache zu verstehen und sich selber verständlich zu machen. Nur so kann Design als Unterstützer und Mitarbeiter wirken.
  2. Aktuell ist das Design noch nicht für komplexe DesignX Probleme bereit. Hier gilt es Erfahrungen aufzubauen und das Methodenset zu erweitern.
  3. Der Faktor Mensch muss immer konsequent berücksichtigt werden.
  4. Es darf nicht nur ein Bild des Endresultats geliefert werden, sondern dessen Implementierung bis zum Ende begleitet werden.

Aus der Erkenntnis heraus, dass durch den Menschen konstruierte Dinge durch dessen menschliche Fähigkeiten limitiert sind, sehen sie Modularität als Antwort und betonen die Notwendigkeit das Big Picture im Bild zu behalten. Letzteres eine echte Herausforderung in agilen Vorgehen, bei denen das Big Picture häufig im Backlog verschwindet.

Letztendlich fassen Donald Norman und Pieter Stappers ihren Ansatz wie folgt zusammen:

„Design for the real world means designing to allow for compromise—for resolution through small, incremental steps. It requires co-design, the willingness to tolerate compromises, and a modularity of design that allows for these small steps to be implemented without compromising the whole. “ (Norman/Stappers)

In Summe ein spannender Betrag, der zum einen zeigt wie Design eine wichtige Rolle bei der Lösung komplexer Probleme spielen kann, zum anderen aber auch wie das Design aktuell herausgefordert ist, wenn es diese Rolle spielen möchte. Kommentatoren weisen Norman und Stappers auf die enorme Kluft hin, die zwischen den Anforderungen an das Design und der realen Ausbildung herrschen.

// m.robersonart – Complex thoughts (CC BY 2.0)