Wer schweigt, zählt nicht

In der Zeit liefert Adam Soboczynski unter der Überschrift “Höfische Gesellschaft 2.0” eine interessante Beschreibung eines neuen Menschentypus, der aus den Umwälzungen der Sozialen Netzwerke emportritt.

Es ist für ihn der “sozial hyperaktive” Mensch, wie es ihn schon vor der bürgerlichen Revolution am adeligen Hofe gab. Der “um Status und Witz kämpfende Höfling”, der reaktionsschnelle und bewertungssüchtige, der geistreiche Parvenü. Die Bedeutung des Begriffs Parvenü setzt Soboczynski als implizietes Wissen voraus. Doch gerade weil er in seinem Artikel auch den “Wächterrat” von Wikipedia anspricht, ist es besonders reizvoll, dort mal nachzuschauen, was unter dem Begriff Parvenü zu finden ist.

Zum Begriff Parvenü schreibt Wikipedia u.a.:

“Es ist ein abfälliger Ausdruck mit der Nebenbedeutung des Unkultivierten und Ungebildeten, der besonders von Adligen für Aufsteiger am Hofe gebraucht wurde”

Die echten Stars im digitalen Zeitalter hingegen, das sind jene “die auch das Netz gebar”. Treffend beschreibt er den Erfolg des wahren Star Barack Obama, welcher seinen Anhängern ein “sozialistisches Gemeinschaftsgefühl” implementierte, so dass diese schließlich glaubten im ständigen Austausch mit ihm zu stehen.

Die breite Masse hingegen lässt sich von Facebook ihr soziales Leben formalisieren und  von Google Relevanz strukturieren.

Dabei bedienen sich alle eines Verblendungzusammenhanges, der vom Bürgertum klassischerweise eigentlich kritisch beäugt wurde. – “Macht der Rhetorik, das Auseinanderklaffen von verführerischer Form und Inhalt” sind die Techniken der Inszenierung.

Eine inspirierende, teilweise sehr scharfsinnige Analyse. Und doch ist der kulturkritische Unterton unverkennbar deutlich.


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