Our Future Of Dark Euphoria

Auf dem reboot Festival hat Bruce Sterling, Science-Fiction Schriftsteller und Professor an der European Graduate School, diesen Sommer eine sehr inspirierende Closing-Speech gehalten, in der er seinen Ausblick auf die kommenden 10 Jahre gab.

“Dark Euphoria – The cultural temperament of the coming decade: Gothic High-tech and Favela Chic.”

Nach dem Kapitalismuskrise und Globalisierung unserer kulturellen Entwicklung einen ordentlichen großen Schock versetzt haben, wird die Zukunft eine Transformation in eine kulturelle Stimmung der “Dark Euphoria” bringen.

“It is neither progress nor conservatism because there’s nothing left to conserve and no direction in which to progress. So what you get is transition. Transition to nowhere.”dark_euphoria

In der Sterlingschen Zukunftsvision der Dark Euphoria gibt es die zentralen Erscheinungen bzw. Rollen des Gothic High-Tech und Favela Chic.

Der Gothic High-Tech wird durch ideologiefreie Macher wie Steve Jobs vertreten, der symbolhaft folgende Tragik verkörpert: “Brilliant, but dying of something secret and horrible. Got both hands on the steering wheel, but death is waiting.” Als cheerleader statt leader im klassischen Sinne arbeiten die Vertreter des Gothic High-Tech mit ihren öffentlichen Anfeuerungen eher an ihrem Platz in der Geschichte, als dass sie als stille Arbeiter an einem beständigen kulturellen Fundament arbeiten. Als literarisches Motiv bedient sich Sterling an dieser Stelle der Vampir-Metapher: Da sie schon längt tot sind, können sich Vampire einfach allen Verantwortungen und Beschuldigungen entziehen.

Der Favela Chic wird durch diejenigen repräsentiert, die kein Geld, keine Karriere und keine Verantwortung haben, aber doch noch in der virtuellen Welt total vernetzt sind. Sterling sagt dann auch ganz plakativ: “Myspace is a favela.” Und sieht in den Social Networks immer mehr eine bürgerrechtsfreie Zone, ein politisches Slum. Favela Chic, das ist “Living in stuffed animals.”

Nach diesem harten Stoff, kommt Bruce Sterling aber auch noch mit einer persönlichen Abwehrstrategie gegen diese beiden düsteren Rollen: “Stop acting dead.”

Als persönliche Kulturarbeit rät er dazu, die einen selbst alltäglich umgebenden Objekte innerhalb von vier Feldern einzusortieren und so das eigene Bewußtsein wieder zu schärfen:

Beautiful Things
Das sind alle Objekte, deren Schönheit es wert ist, mit Anderen geteilt zu werden.

Emotional Meaning
Das sind alle Objekte, die einem eine persönliche Geschichte erzählen, die man auch Anderen mitteilen würde.

Tools
Das sind alle Objekte, die zuverlässig und konsequent eine Funktion erfüllen. Mit diesen Objekten darf man auch experimentieren, aber als Experiment gilt es nur, wenn man auch etwas über das Ergebnis erzählt.

Everything Else
Alle restlichen Objekte, die im eigentlichen Sinne damit wertlos sind.