Mit Kluge ins neue Jahrzehnt

alexander_klugeDie Wochenzeitung “Der Freitag” hat ein wunderbares Interview mit Alexander Kluge über das neue Jahrzent geführt. Formal ist es interessant, dass es das via Skype geführte Interview in redigierter Form auf der Website von “Der Freitag” zu lesen gibt und gleichzeitig als Rohfassung auf Kluge’s Webangebot von dctp.tv. – Obwohl das Interview im Ganzen sehr erhellend ist, haben mich folgende Aspekte in denen es u.a. auch um Internetkultur geht besonders angesprochen.

Zunächst einnmal mag ich die Grundhaltung bzw. das Temperament von Kluge, welches er mit einem Zitat von Adorno zu Beginn auf den Punkt bringt. “Man darf sich von der Macht der anderen nicht dumm machen lassen, und man darf sich durch die eigene Ohnmacht nicht dumm machen lassen.” In diesem Zusammenhang weist er auch gleich darauf hin, dass er den pessimistischen Blick eines Frank Schirrmachers, den dieser in seinem aktuellen Buch “Payback” ausbreitet, nicht teilt und lieber nach Auswegen suchen möchte.

Trotz Kluges mir sympathischen Grundhaltung ist er in seinem eigenen kritischen Blick keineswegs eingeengt und sieht einige bedrohliche Zeichen am Horizont. So steht für ihn die Frage, ob das aktuelle Jahrhundert  nicht auch wie das Letzte entgleisen könnte, dieser Tage auch wieder ganz offen im Raum.

In Bezug auf die nahezu grenzenlose Informationsflut des digitalen Zeitalters plädiert Kluge für Informationsgärten, in denen man sich zu sich selbst zurückziehen kann.

“Was wir brauchen, sind abgegrenzte Räume, in denen die Datenmassen gesammelt, sortiert und reduziert werden. Gärten, Häfen, Gefäße, welche Metapher Sie wollen. Da das Bedürfnis nach Reduktion wächst, werden solche Gärten auch benutzt werden. Man muss sie nur bauen, diese Gärten im Netz.”

Im Bezug auf Daten weist er auch darauf hin, dass dahinter immer wirkliche Verhältnisse stehen und auf der anderen Seite die Gefahr besteht das Wirklichkeit auch ausgegrenzt wird, wenn sie nicht in Daten verarbeitet werden kann.

Die revolutionäre Erweiterung der bürgerlichen Öffentlichkeit gilt es für ihn zu verteidigen, stoische Enthaltsamkeit ist da für ihn keine geeignete Strategie. Das moderne Subjekt, sieht er als Palast mit vielen Zimmern, “… und ich kann einen Raum so ausrüsten, dass ich jederzeit fähig bin, mich dorthin zurückzuziehen. Und gleichzeitig bleibe ich gesellig und bin im Chatroom der Gesellschaft. Ich bin mehr als ein Mensch, ich bin viele. Wenn die Daten so zunehmen, verwandeln wir uns in polyphone Lebewesen.

In dem Interview mit Kluge gibt es neben den skizzierten Aspekten noch viele weitere spannende, was nicht zuletzt auf dessen enzyklopädischen Wissen und den zahlreichen Vernetzungen in seinem Denken beruht. Zwischen den Jahren ein klarer, ungetrübter Blick in Zukunft mit der Forderung positiv in diese voranzuschreiten.


Tags: ,